"Irak ist auch bei uns"
Immer interessanter und immer wirrer werden die Geschichten rund um die Frau Osthoff.
Die Reaktionen und Mutmaßungen schießen nur so ins Kraut. Jeder Hinterbänkler gibt jetzt auch seinen Senf dazu ab. Ein Herr Hoyer, außenpolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, murmelt etwas davon, dass die Frau Osthoff ihr "Vertrauenskapital" verspielt habe. Und die sicherheitspolitische Sprecherin der FDP-Fraktion, Frau Homburger, ergänzt, dass es ja nicht sein könne, dass die Allgemeinheit für die Dummheit einzelner bezahle.
Hm. Was wollen uns diese Menschen damit sagen? Wer entführt wird ist selbst schuld? Wer sich in Gefahr begibt, kommt in ihr um und das ist auch richtig so? Mir wird ja ein bisschen Angst und Bang um die Bundeswehrsoldaten, die beispielsweise nach Afghanistan geschickt werden. Die können auch ganz fix ihr "Vertrauenskapital" verzocken, wenn sie sich von so einem dahergelaufenen Taliban eine Kugel ins Bein schießen lassen oder noch schlimmer in eine tückische Bombenfalle hineinlaufen. Die hätten halt besser aufpassen sollen, oder? Rechtzeitig verweigern, ist ja heute nicht mehr so schwer. Wo kämen wir denn da hin, wenn die dann auf Kosten der Allgemeinheit wieder gesund gemacht oder nach Deutschland ausgeflogen werden?
Sehr aufschlußreich, wenngleich in den Andeutungen und Anspielungen nicht völlig klar verständlich, ist das Interview, das Susanne Osthoff dem heute-journal gegeben hat. Toll schon der Einstieg: "Wie geht es Ihnen?" "Schlecht." Eine Ehrlichkeit, die man im deutschen Fernsehen einfach nicht gewohnt ist. Man spürt die Verbitterung über den Medienhype und die sogenannten "Experten" sowie über die mangelnde Unterstützung ihrer Projekte in den Jahren zuvor. "43 Jahre kennt mich keiner, jetzt plötzlich wollen die irgendwas von mir", sagt sie. Und dann "ich wäre schon öfter wegen den Deutschen gestorben, weil die mich sitzen ließen im Krieg." Da ist Empörung zu spüren, dass sich jetzt alle mit ihr schmücken wollen, und Frau Osthoff spricht auch viel mehr über die Schwierigkeiten mit der Botschaft bzw. den offensichtlich ziemlich arroganten Botschaftsangehörigen und der deutschen Bürokratie bei der Durchführung ihrer Projekte, als über die Episode der Entführung und Freilassung. Die BKA-Leute scheinen auch nicht besonders feinfühlig gewesen zu sein. Fast eine weitere Woche habe es gedauert bis die "Nachbearbeitung" abgeschlossen war und Frau Osthoff wirklich wieder als "freie Frau" ihrer Wege gehen konnte. Und dann erwähnt sie zwei Mal einen "jüdischen Geheimdienstoffizier". Schade, dass die Marietta Slomka auch nur ihr Interview durchziehen will und nicht nachfragt, nicht auf die Angebote und Andeutungen einsteigt, sondern nur ihr Bild einer eigensinnigen und undankbaren Frau bestätigt haben möchte.
Es ist ein sehr beeindruckendes Interview, auch wenn man merkt, dass die Frau noch in einer starken post-traumatischen Stressphase steckt, was ja aber auch kein Wunder ist. Selbst ein Fußballer nach dem Spiel, verschwitzt und außer Atem, spricht ja auch nicht immer druckreif. Da braucht man von einer Geisel nicht erwarten, dass sie 1A-formulierte Statements ausspuckt. Dass sie verschleiert wie eine Golf-Araberin erscheint, ist selbst ein Statement und macht deutlich, dass wir hier in Deutschland nicht verstehen wollen und können, was tatsächlich vor sich geht. Geradezu provozierend spielt sie mit den Klischees, die ihr sicherlich bewußt sind, die ganzen albernen Kopftuch-Debatten, und zeigt, dass auch hinter einer Niqab eine scharfe und selbstbewußte Zunge stecken kann.
Erschütternd finde ich wie sie mit ihren Äußerungen gleich mehrere Schleier aufdeckt. Welche Sachen da hinter den Kulissen ablaufen, über die man als "braves" Entführungsopfer nicht sprechen sollte. Welche Vorgeschichten verschwiegen werden. Susanne Osthoff ist ziemlich klar in den Dingen, über die sie nicht sprechen möchte, wie etwa das Verhältnis zu ihrer Schwester. Sie schützt ihre privaten Verhältnisse. Und sie führt sehr geschickt vor, wie die Medien nur immer das hören wollen, was sie eh schon zu wissen glauben. Sie weist Frau Slomka zurecht, dass bestimmte Umstände Falschmeldungen sind. Macht deutlich, dass es offensichtlicher Unsinn ist, wenn gemeldet wird, sie habe vor ihrer Entführung noch Geld eingezahlt. Denn freitags haben alle Banken in einem islamischen Land natürlich geschlossen. Hätte einem eigentlich auffallen können.
In der Süddeutschen Zeitung ein Interview mit einem Altorientalisten, der mit ihr zusammengearbeitet hat. Er zeigt Verständnis und hat einige interessante Einschätzungen beizutragen. Dafür gibt es andererseits auch die üblichen Beschimpfungen, wenn sich eine Frau nicht an die Regeln der Medienmenschen hält. Dass man aus dem Interview dann das zusammenschneidet, was der eigenen Position am zuträglichsten ist, wird weder verschwiegen noch hinterfragt.
Bin gespannt wie die Geschichte weitergeht.
Die Reaktionen und Mutmaßungen schießen nur so ins Kraut. Jeder Hinterbänkler gibt jetzt auch seinen Senf dazu ab. Ein Herr Hoyer, außenpolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, murmelt etwas davon, dass die Frau Osthoff ihr "Vertrauenskapital" verspielt habe. Und die sicherheitspolitische Sprecherin der FDP-Fraktion, Frau Homburger, ergänzt, dass es ja nicht sein könne, dass die Allgemeinheit für die Dummheit einzelner bezahle.
Hm. Was wollen uns diese Menschen damit sagen? Wer entführt wird ist selbst schuld? Wer sich in Gefahr begibt, kommt in ihr um und das ist auch richtig so? Mir wird ja ein bisschen Angst und Bang um die Bundeswehrsoldaten, die beispielsweise nach Afghanistan geschickt werden. Die können auch ganz fix ihr "Vertrauenskapital" verzocken, wenn sie sich von so einem dahergelaufenen Taliban eine Kugel ins Bein schießen lassen oder noch schlimmer in eine tückische Bombenfalle hineinlaufen. Die hätten halt besser aufpassen sollen, oder? Rechtzeitig verweigern, ist ja heute nicht mehr so schwer. Wo kämen wir denn da hin, wenn die dann auf Kosten der Allgemeinheit wieder gesund gemacht oder nach Deutschland ausgeflogen werden?
Sehr aufschlußreich, wenngleich in den Andeutungen und Anspielungen nicht völlig klar verständlich, ist das Interview, das Susanne Osthoff dem heute-journal gegeben hat. Toll schon der Einstieg: "Wie geht es Ihnen?" "Schlecht." Eine Ehrlichkeit, die man im deutschen Fernsehen einfach nicht gewohnt ist. Man spürt die Verbitterung über den Medienhype und die sogenannten "Experten" sowie über die mangelnde Unterstützung ihrer Projekte in den Jahren zuvor. "43 Jahre kennt mich keiner, jetzt plötzlich wollen die irgendwas von mir", sagt sie. Und dann "ich wäre schon öfter wegen den Deutschen gestorben, weil die mich sitzen ließen im Krieg." Da ist Empörung zu spüren, dass sich jetzt alle mit ihr schmücken wollen, und Frau Osthoff spricht auch viel mehr über die Schwierigkeiten mit der Botschaft bzw. den offensichtlich ziemlich arroganten Botschaftsangehörigen und der deutschen Bürokratie bei der Durchführung ihrer Projekte, als über die Episode der Entführung und Freilassung. Die BKA-Leute scheinen auch nicht besonders feinfühlig gewesen zu sein. Fast eine weitere Woche habe es gedauert bis die "Nachbearbeitung" abgeschlossen war und Frau Osthoff wirklich wieder als "freie Frau" ihrer Wege gehen konnte. Und dann erwähnt sie zwei Mal einen "jüdischen Geheimdienstoffizier". Schade, dass die Marietta Slomka auch nur ihr Interview durchziehen will und nicht nachfragt, nicht auf die Angebote und Andeutungen einsteigt, sondern nur ihr Bild einer eigensinnigen und undankbaren Frau bestätigt haben möchte.
Es ist ein sehr beeindruckendes Interview, auch wenn man merkt, dass die Frau noch in einer starken post-traumatischen Stressphase steckt, was ja aber auch kein Wunder ist. Selbst ein Fußballer nach dem Spiel, verschwitzt und außer Atem, spricht ja auch nicht immer druckreif. Da braucht man von einer Geisel nicht erwarten, dass sie 1A-formulierte Statements ausspuckt. Dass sie verschleiert wie eine Golf-Araberin erscheint, ist selbst ein Statement und macht deutlich, dass wir hier in Deutschland nicht verstehen wollen und können, was tatsächlich vor sich geht. Geradezu provozierend spielt sie mit den Klischees, die ihr sicherlich bewußt sind, die ganzen albernen Kopftuch-Debatten, und zeigt, dass auch hinter einer Niqab eine scharfe und selbstbewußte Zunge stecken kann.
Erschütternd finde ich wie sie mit ihren Äußerungen gleich mehrere Schleier aufdeckt. Welche Sachen da hinter den Kulissen ablaufen, über die man als "braves" Entführungsopfer nicht sprechen sollte. Welche Vorgeschichten verschwiegen werden. Susanne Osthoff ist ziemlich klar in den Dingen, über die sie nicht sprechen möchte, wie etwa das Verhältnis zu ihrer Schwester. Sie schützt ihre privaten Verhältnisse. Und sie führt sehr geschickt vor, wie die Medien nur immer das hören wollen, was sie eh schon zu wissen glauben. Sie weist Frau Slomka zurecht, dass bestimmte Umstände Falschmeldungen sind. Macht deutlich, dass es offensichtlicher Unsinn ist, wenn gemeldet wird, sie habe vor ihrer Entführung noch Geld eingezahlt. Denn freitags haben alle Banken in einem islamischen Land natürlich geschlossen. Hätte einem eigentlich auffallen können.
In der Süddeutschen Zeitung ein Interview mit einem Altorientalisten, der mit ihr zusammengearbeitet hat. Er zeigt Verständnis und hat einige interessante Einschätzungen beizutragen. Dafür gibt es andererseits auch die üblichen Beschimpfungen, wenn sich eine Frau nicht an die Regeln der Medienmenschen hält. Dass man aus dem Interview dann das zusammenschneidet, was der eigenen Position am zuträglichsten ist, wird weder verschwiegen noch hinterfragt.
Bin gespannt wie die Geschichte weitergeht.

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