Quizverständnis
In der heutigen taz ein Kommentar von Eberhard Seidel zum umstrittenen "Muslim-Test", der ja eigentlich ein Deutsch-Test sein soll, d.h. wer besteht, darf "deutsch" werden.
Seidel meint, dass die Debatte überwiegend ein Selbstverständigungsdiskurs der Mehrheitsgesellschaft ist, die sich "beweist", wie fortschrittlich sie selbst doch denkt.
Am Vortag vertrat Jan Feddersen sozusagen die "Gegenmeinung". Wobei mich ein Satz schon irritierte. Feddersen stellt fest, dass die Bundesrepublik das Grundgesetz über den Koran stellt und fährt mit Blick auf muslimische MigrantINNEN fort:
Aber dass diese fremde, patriarchale Kultur "bei uns nicht gesellschaftsfähig wird" klingt ja geradezu so, als ob das seit Ewigkeiten ausgestorben sei oder so fremd, weil wir das ja überhaupt noch niemals gehabt haben.
Seit wann ist das Versicherungsprivileg der Männer abgeschafft?
Seit wann ist Vergewaltigung in der Ehe strafbar?
Seit wann haben wir ein Anti-Diskriminierungs-Gesetz?
Ich würde ja mal denken, dass die Frauen von einer patriarchalen Kultur in ne andere kommen. Dass patriarchale Kulturen eine große Bandbreite an Ausgestaltungsmöglichkeiten haben und manches extremer ist als in anderen, ist unbenommen. Trotzdem vermute ich, dass die Migrantinnen damit auch irgendwie gerechnet haben.
Oder meinte der Herr Feddersen ganz speziell dass "die patriarchale Kultur, von der sie Abschied nahmen, bei uns nicht gesellschaftsfähig wird"? Aber wie kommt er auf die Idee, dass das drohen könnte? Steht etwa die feindliche Übernahme des deutschen, christlichen Patriarchats durch das eingebürgerte, muslimische Patriarchat unmittelbar bevor? Hat der Herr Esser da etwa seine Finger im Spiel? (Das hieß ja damals nicht zufällig "Mannesmann", also quasi "Mann²" ...)
Außerdem meint der Herr Feddersen, dass ein Großteil der Gewalttaten gegen "Frauen ohne Kopftuch auf das Konto von jungen Männern gehen, deren Prägung eine muslimisch-patriarchale ist." Meinen Sie das wirklich, Herr Feddersen? All die kopftuchlosen Frauen (oder eben ein Großteil, aber so oder so, das ist ne Menge!!), die in Deutschland geschlagen, vergewaltigt, missbraucht werden? Also, ich glaube, dass die Gewaltstudien da was anderes sagen. Das sind ja dann doch gerne mal die christlich-patriarchal geprägten Ehemänner, Freunde, Väter, Brüder etc. die ihre Frauen ...
"Frauen ohne Kopftuch", was es alles für Geschlechterkategorien gibt heutzutage ...
Seltsam, seltsam ... als europäische bzw. deutsche Frau kann man sich da schon wundern. Da setzen sich so viele "unserer" Männer für die Frauenrechte der armen Musliminnen ein ... und zeigen sich hierzulande genervt von dem ganzen feministischen oder anti-sexistischen "Gedöns".
Die ganze Operation "Enduring Freedom" sollte ja die Afghaninnen von den Taliban befreien. Inzwischen kümmert sich kein Mensch darum, wie es den Afghaninnen geht. Aber neu ist diese Haltung ja keineswegs. Schon vor mehr als hundert Jahren setzte sich im britschen Protektorat Ägypten der Generalkonsul Lord Cromer für Frauenrechte und ein Ende der Verschleierung ein. Die niedrige Stellung der Frau stelle ein Hindernis für den "zivilisatorischen Aufschwung" dar, meinte der britische Lord. - Zuhause jedoch, in England, engagierte er sich in einem Verein, der vehement gegen das Frauenwahlrecht eintrat und war für seine konservativen Ansichten bezüglich Frauenrechten bekannt.
Na, so viel hat sich in den letzten 100 Jahren wohl doch nicht verändert.
Seidel meint, dass die Debatte überwiegend ein Selbstverständigungsdiskurs der Mehrheitsgesellschaft ist, die sich "beweist", wie fortschrittlich sie selbst doch denkt.
"Je mehr des Bösen, Normabweichenden und Inkorrekten auf das Muslimische projiziert wird, desto heller, reiner und entwickelter erscheint das Selbst. Das ist eine einfache Wahrheit aus der Vorurteilsforschung. Eine weitere lautet: Eine Kultur des Ressentiments hat noch immer Repression und Gewalt der Mehrheit gegenüber der Minderheit zur Folge gehabt. Schon aus diesem Grund gebietet es der demokratische Anstand, den Muslim-Test in die Mülltonne der Geschichte zu treten."
Am Vortag vertrat Jan Feddersen sozusagen die "Gegenmeinung". Wobei mich ein Satz schon irritierte. Feddersen stellt fest, dass die Bundesrepublik das Grundgesetz über den Koran stellt und fährt mit Blick auf muslimische MigrantINNEN fort:
"Sie (die Frauen) müssen sich darauf verlassen können, dass die patriarchale Kultur, von der sie Abschied nahmen, bei uns nicht gesellschaftsfähig wird."Entschuldigung, Herr Feddersen, habe ich was verpasst?? Wir haben in Deutschland gar keine patriarchale Kultur mehr? Ist das neu? Ist das seit wir ne Bundeskanzlerin haben? Ist jetzt alles gut?
Aber dass diese fremde, patriarchale Kultur "bei uns nicht gesellschaftsfähig wird" klingt ja geradezu so, als ob das seit Ewigkeiten ausgestorben sei oder so fremd, weil wir das ja überhaupt noch niemals gehabt haben.
Seit wann ist das Versicherungsprivileg der Männer abgeschafft?
Seit wann ist Vergewaltigung in der Ehe strafbar?
Seit wann haben wir ein Anti-Diskriminierungs-Gesetz?
Ich würde ja mal denken, dass die Frauen von einer patriarchalen Kultur in ne andere kommen. Dass patriarchale Kulturen eine große Bandbreite an Ausgestaltungsmöglichkeiten haben und manches extremer ist als in anderen, ist unbenommen. Trotzdem vermute ich, dass die Migrantinnen damit auch irgendwie gerechnet haben.
Oder meinte der Herr Feddersen ganz speziell dass "die patriarchale Kultur, von der sie Abschied nahmen, bei uns nicht gesellschaftsfähig wird"? Aber wie kommt er auf die Idee, dass das drohen könnte? Steht etwa die feindliche Übernahme des deutschen, christlichen Patriarchats durch das eingebürgerte, muslimische Patriarchat unmittelbar bevor? Hat der Herr Esser da etwa seine Finger im Spiel? (Das hieß ja damals nicht zufällig "Mannesmann", also quasi "Mann²" ...)
Außerdem meint der Herr Feddersen, dass ein Großteil der Gewalttaten gegen "Frauen ohne Kopftuch auf das Konto von jungen Männern gehen, deren Prägung eine muslimisch-patriarchale ist." Meinen Sie das wirklich, Herr Feddersen? All die kopftuchlosen Frauen (oder eben ein Großteil, aber so oder so, das ist ne Menge!!), die in Deutschland geschlagen, vergewaltigt, missbraucht werden? Also, ich glaube, dass die Gewaltstudien da was anderes sagen. Das sind ja dann doch gerne mal die christlich-patriarchal geprägten Ehemänner, Freunde, Väter, Brüder etc. die ihre Frauen ...
"Frauen ohne Kopftuch", was es alles für Geschlechterkategorien gibt heutzutage ...
Seltsam, seltsam ... als europäische bzw. deutsche Frau kann man sich da schon wundern. Da setzen sich so viele "unserer" Männer für die Frauenrechte der armen Musliminnen ein ... und zeigen sich hierzulande genervt von dem ganzen feministischen oder anti-sexistischen "Gedöns".
Die ganze Operation "Enduring Freedom" sollte ja die Afghaninnen von den Taliban befreien. Inzwischen kümmert sich kein Mensch darum, wie es den Afghaninnen geht. Aber neu ist diese Haltung ja keineswegs. Schon vor mehr als hundert Jahren setzte sich im britschen Protektorat Ägypten der Generalkonsul Lord Cromer für Frauenrechte und ein Ende der Verschleierung ein. Die niedrige Stellung der Frau stelle ein Hindernis für den "zivilisatorischen Aufschwung" dar, meinte der britische Lord. - Zuhause jedoch, in England, engagierte er sich in einem Verein, der vehement gegen das Frauenwahlrecht eintrat und war für seine konservativen Ansichten bezüglich Frauenrechten bekannt.
Na, so viel hat sich in den letzten 100 Jahren wohl doch nicht verändert.

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