Mittwoch, September 27, 2006

Im Anschluss besteht die Möglichkeit zu einem gemeinsamen Imbiss.

Auf geht's, sein Sie dabei, hier tanzt der Bär, hier geht's rund, hier ist der Spass zu Hause... Deutschland im Vollrausch. Nicht nur wegen des Oktoberfests oder der Prosecco-Cola schlürfenden, Kettenkarussell fahrenden, Gold-Dirndl tragenden Frau Hilton. Nein, auch die Frau Harms in Berlin sorgt für Volksfestlaune, weil sie den "Idomeneo" einfach vom Spielplan streicht. Da hat sie wohl was falsch verstanden, als sie einen Anruf erhielt, in dem sie auf die "allgemeine Gefährdungslage" aufmerksam gemacht wurde. Oder aber sie war so richtig clever und nutzt die Post-Papst-Islam-Debatten-Phase ganz geschickt für eine erstklassige Marketingkampagne. Wenn der Idomeneo dann so um Weihnachten herum wieder auf dem Spielplan stehen sollte, dürften ausverkaufte Vorstellungen so sicher sein wie das Amen in der Kirche.

Aufmerksamkeitsökonomisch hat sie die Entscheidung jedenfalls optimal platziert, nämlich am Vorabend der großangekündigten Islam-Konferenz, zu der Herr Schäuble gebeten hat. Der wollte superfreundlich den Dialog mit Vertreter/innen islamischer Gemeinden sowie einzelnen, handverlesenen Islamkritiker/innen suchen und bat deshalb im Anschluss an die Zusammenkunft zu einem gemeinsamen Imbiss.

Bisschen blöd dabei ist, dass das Treffen um die Mittagszeit angesetzt war und wir uns gerade im Ramadan befinden. Da dürfen gläubige Muslims und Muslimas erst nach Sonnenuntergang wieder feste wie flüssige Nahrung zu sich nehmen. - Ist das wirklich niemandem in der Vorbereitung aufgefallen? Ein gemeinsames Fastenbrechen am Abend hätte da ein ganz anderes Zeichen setzen können. Würde der Herr Steinmeier die Frau Livni und den Herrn Olmert auch zu Muschelsuppe und Schweinebraten einladen und anschließend ein leckeres Sahneeis spendieren? Oder dem Herrn Bush zur Begrüßung einen doppelten Wodka reichen?

Wer hätte das gedacht, aber der Vatikan scheint islamischen Geboten mehr Respekt entgegenzubringen als der deutsche Innenminister seinen Landsleuten. Als der Papst die diplomatischen Vertreter aus mehr als 20 Nationen zu sich bat, gab es in Rücksicht auf den Ramadan nichts zu essen und nichts zu trinken und auch Benedikt XVI. verzichtete auf das obligatorische Wasserglas des Redenden und hielt seine Rede kurz.

P.S.
Nein, das habe ich nicht erfunden! Das meldet eben Spiegel Online. Nachdem es mit dem Imbiss im Anschluss an die Islam-Konferenz ja nicht geklappt hat, hatten die Teilnehmer jetzt eine andere schöne Idee: sie sprachen sich gegen die Absetzung der Mozart-Oper aus und wollen sich die Idomeneo-Aufführung gemeinsam ansehen.