Freitag, Januar 20, 2006

Quizverständnis, die Zweite

So langsam nimmt die Diskussion Fahrt auf.

Jetzt wird schon im Bundestag heftig über die baden-württembergische Regelung debattiert und, wie zu vermuten war, will Hessen nachziehen.

In der taz vom 19.1.2006 moniert Yasemin Karakasoglu, dass die Migrationsforschung in der Diskussion überhaupt nicht zur Kenntnis genommen wird.

Sehr, sehr hübsch ist der Beitrag der ZEIT zur Diskussion. "Du schlagen Frau?", meint Mely Kiyak, sei der Kern der umständlichen Befragung. Die eigentlichen und entscheidenden Fragen, z.B. wieso man eingebürgert werden möchte oder ob man bzw. wie man zum Grundgesetz steht, werden nicht gestellt. Statt dessen diese krude Mischung von politisch korrekten Statements, denen man zustimmen soll oder die man abzulehnen hat.

Sehr schön und zutreffend sind die Bilder, die Frau Kiyak verwendet. Besonders gut gefallen hat mir folgendes:
"Aber in dem Leitfaden kommen diese Fragen ähnlich lächerlich versteckt daher wie ein als Laubstrauch getarnter Mensch in einer Fußgängerzone."
Ein wichtiger Aspekt ist auch, dass das "Deutsch sein" ja kein alleiniges Problem der Einbürgerungswilligen ist, sondern im Gegenteil ein typisch deutsches Problem. Die alte Frage nach der Identität, dem Patriotismus, dem Nationalgefühl.

Kiyaks Fazit lautet:
"Der Fragebogen, so wie er zurzeit existiert, offenbart die arrogante Haltung der Politiker, die meinen, bei Einwanderern eine Einstellung kritisieren zu dürfen, die sie weiten Teilen der deutschen Bevölkerung nicht abgewöhnen konnten."