Montag, Januar 30, 2006

Noch ein Osthoff Update

Irgendetwas scheint diese Geschichte in unserem kollektiven Unterbewusstsein auszulösen. Es nimmt kein Ende.

Die FAZ am Sonntag (29.1.2006) bringt ein Interview mit dem deutschen Geschäftsmann und ehemaligen DDR-Diplomaten Rolf-Eckhard Giermann. Er ist davon überzeugt: "Susanne Osthoff hat keine Fehler gemacht".
Hart geht er indes mit der Rolle der Medien ins Gericht: "Diejenigen, die sich prinzipiell falsch verhalten, insbesondere im Moment, sind die Medien in Deutschland. Sie schaden dem Land, wie es schlimmer nicht geht."
Und auch der Arbeitgeber der jüngsten Entführungsopfer wird als vollkommen verantwortungslos handelnd kritisiert: "
Die Mitarbeiter wurden völlig unzureichend vorbereitet - man kann schon sagen - an die Front geschickt. Jeder hätte wissen müssen, daß Baidschi mit der gefährlichste Ort im ganzen Irak ist. (...) Das ist der erste Fall, den ich kenne, in dem Mitarbeiter so ins Feuer geschickt worden sind."

Das SZ Magazin brachte am 27.1.2006 einen Artikel von Hans Leyendecker. Er stellt einen Geschlechterkampf um das Thema Susanne Osthoff fest, bei dem die Frauen mit Sympathie für Frau Osthoff auf der einen und die Männer mit ihrer Ablehnung von Susanne Osthoff auf der anderen Seite zu verorten seien. Letztlich böte Frau Osthoff eine optimale Projektionsfläche für allerlei Stellvertreterthemen.
Danken muss man Herrn Leyendecker schon allein für eine schön beschriebene Situation, die im Zitat „Liebchen, sei doch bitte mal still“ gipfelt. "Das so feine Wort „Liebchen“ hat für die, die dabei waren in jener Runde, bis heute seinen drohenden Klang nicht verloren."
Bei Herrn Leyendecker liest sich die Kurzbiographie der Susanne Osthoff so:
Mit 17 rückte sie daheim aus, zog zu einer Freundin, studierte später Vorderasiatische Archäologie, Semitistik, Hebräisch, Aramäisch, Keilschrift, fuhr mit dem Motorrad durch die Sahara, lebte fünf Jahre mit einem irakischen Archäologen zusammen, der ein Despot war und sie ins Gefängnis brachte, als sie nicht spurte. Sie kam frei, lebte mit einem gut aussehenden Beduinen zusammen, bekam 1993 eine Tochter und schickte den Erzeuger dieser Tochter dann mit einem One-Way-Ticket nach Hause. Allein schlug sie sich durch, brachte Hilfsgüter in den Irak und versuchte, Grabungsstätten vor Plünderern zu schützen: „Ich schleppe Kisten von A nach B“, hat sie ihre Arbeit mal umschrieben. „Ich bin mein eigener Herr“, hat sie auch gesagt.
Schön ist auch, dass Herr Leyendecker an die Abenteurerin Isabelle Eberhardt (1877-1904) erinnert und eine Parallele herstellt.
Isabelle Eberhardt war eine Nomadin, die in Zelten wohnte und sogar wilde Idiome verstand. Sie sympathisiere mit „arabischen Elementen“, schrieb damals ein französischer Kolonialbeamter. Nachdem ein Attentat auf sie verübt worden war, musste sie „zu ihrem eigenen Schutz“ 1901 Algerien verlassen.
Wer hinter dem Attentat steckte, konnte nie geklärt werden. Sie nahm dann in Zeitungsartikeln ihre Attentäter in Schutz, was für viel Ärger sorgte. Der Schriftsteller Robert Randau bewunderte ihre „einzigartige Gabe, Notare, Korporale, Philister jeglicher Schattierung aus der Fassung“ zu bringen.
Eberhardts Reisebericht "Sandmeere" ist von Rowohlt 2004 neu aufgelegt worden. Ebenfalls im Herbst 2004 erschien der Band "Abenteuer in der Wüste" von Catherine Sauvat über das Leben von Isabelle Eberhardt. Ein Video zu ihrer Lebensgeschichte mit Mathilda May und Peter O'Toole wurde bereits 1990 veröffentlicht.


Und die Münchner report-Redaktion hat folgende Recherchen anzubieten, die den Fokus auf den BND und seine irakischen Kollegen richten.