Mittwoch, März 08, 2006

Gebärmuttertag

In der Frankfurter Rundschau haut Elke Buhr heute richtig schön zu.

Sie stellt fest, dass heutzutage Frau wieder besonders gerne als Mutter anerkannt wird. Und vor allem all die gemeinen, vaterlandsverratenden, akademisch gebildeten Frauen, die partout nicht reproduzieren wollen, sollen sachte in die Freuden der Mutterschaft gedrängt werden. Wenn schon nicht aus eigenem Antrieb, dann zumindest im Hinblick auf den Klassenerhalt. Denn "wir kriegen zu wenig Kinder" heißt immer auch, dass sich "die Anderen" vermehren wie die Karnickel. Und "die Anderen" ist in diesem Fall die Koalition der Nicht-Deutschen und der Nicht-Akademiker. "Seit dem Aufflammen des Karikaturenstreiks", stellt Buhr fest, "wird die Rede von der "demographischen Katastrophe" standardmäßig verknüpft mit dem Verweis auf die jungen, vitalen islamischen Gesellschaften beziehungsweise deren Enklaven im Westen. (...) Die Verteidigung der eigenen Werte kann offensichtlich nicht mehr diskursiv, sondern nur noch in Form von schierer Biologie gedacht werden: Mehr werden, damit die anderen nicht gewinnen."

Biologie scheint aber - und daran haben dreißig Jahre Feminismus scheinbar nichts verändern können - Sache und Aufgabe der Frauen zu sein. Frank Schirrmacher schlittert in seinem letzten Erguss auf seiner geistigen Altmännerrutschbahn auf "Komplimenten", die schon unsere Urgroßmütter nicht überzeugen konnten und deren inhärenter Seximus bereits im Kindergarten erkannt werden sollte. Die Frauen seien laut Schirrmacher schließlich das widerstandsfähigere Geschlecht, sie glänzten durch Selbstlosigkeit und Aufopferungsfähigkeit, sie würden gebraucht als sozialer Kitt.

Danke, Frau Buhr, für das Schlusswort: "Gestatten Frau und Gebärmutter, ich bin hier der soziale Kitt. Wo kann ich mich hinkleben?"