Im folgenden nur eine Liste mit verschiedenen Meldungen zum Streit um die Mohammad-Karikaturen in der dänischen Zeitung "Jyllands Posten":
Spiegel Online schreibt
das Und die Süddeutsche schreibt
diesUnd die taz
jenesUnd Herr Broders Meinung ist
hierDie tagesschau
hierWikipedia zu
ZeitungSpiegel Online:
Jordanischer Chefredakteur wagt Abdruck der Zeichnungen und verliert seinen JobSpiegel Online: Und einen Tag später wird der
Chefredakteur verhaftetSpiegel Online: Ibn Warraq meint
"Entschuldigt Euch nicht"Spiegel Online: Eine Replik von Jürgen Gottschlich:
"Maulhelden der Meinungsfreiheit"Spiegel Online:
Zeichner mit dem Tode bedroht
Spiegel Online:
USA unterstützen MoslemsSpiegel Online:
France Soir offline, Hagalil gehacktSpiegel Online:
Annan fordert Respekt vor ReligionenSpiegel Online: Kristina Bergmann:
"Das gefährliche Spiel mit der religiösen Inbrunst"Fünf Stimmen deutscher Karikaturisten sammelte der
Tagesspiegel darunter auch´
Gerhard Haderer: „Ich halte den Auftrag der Jyllands-Posten-Redaktion, Mohammed zu zeichnen, für eine Schnapsidee. Das islamische Bilderverbot ist eindeutig. Allerdings ist es inkonsequent, dass sich der Westen jetzt nicht hinter die Karikaturisten stellt. Die Muslime, die im Nahen Osten auf die Straße gehen, schießen mit Kanonen auf Karikaturen; ihre Reaktion ist völlig humorlos. Auch für mich gelten Tabus: Ich habe mein Jesusbuch herausgebracht, weil es im Christentum kein Verbot gibt, Jesus darzustellen. Weil ich nicht aus dem Islam oder Judentum komme und ihre Affektlage nicht nachvollziehen kann, würde ich auch ihre Bilderverbote nicht unterlaufen.“
Gerhard Haderer, Jahrgang 1951, arbeitet für den „Stern“. Über die Geltung des Bilderverbots vermeldet der Tagesspiegel
folgendesUpdate 3.2.2006
Rudolph Chimelli kommentiert zum Thema
Religion und Respekt in der SZ
Und Bernd Graff überaus einsichtsreicher SZ-Kommentar behandelt das
Fackeln mit der Freiheit. Graff ruft dazu auf, auf beiden Seiten "zivilisationsemphatisch abzurüsten" und erinnert an die Mär von den "99 Luftballons"...
Update 7.2.2006Der Iran karikiert zurück - Kampf der geschmacklosen Tabubrecher
Spiegel Online stellt diesen
Cartoon-Streit in den Zusammenhang politischer Konflikte.
Und für
Telepolis kommentiert Florian Rötzer und stellt den Zusammenhang zu anderen Tabus und gotteslästerlichen Akten her.
Update 8.2.2006In der Zeit vom 2.2.06 wird
"Gerechtigkeit für die Muslime gefordert". Mark Terkessidis und
Yasemin Karakasoglu berichten über eine Petition von 60 Migrationsforschern.
In der NZZ äußern sich dänische Künstler zum Karikaturenstreit.
Während sich die dänische Politik in die nationalistische Ecke zurückzog, verlagerten Schriftsteller ihre Romanhandlungen in ferne Regionen, nach Alexandria, Lima oder Kautokeino. Oftmals, etwa in Ib Michaels «Der Papst von Indien», geht es um die Frage der Toleranz. Lange brauchten die Autoren, bis sie gegen den politischen Kurs explizit Stellung bezogen. Im Dezember verurteilte eine Gruppe um Klaus Rifbjerg, Suzanne Brøgger und Ib Michael (...) die «Diskriminierung der ethnischen Minderheiten in der Alltagssprache und der Gesetzgebung». Diese Menschen würden «ausschliesslich als kriminelle, gesellschaftsschädigende Elemente, potenzielle Gewaltverbrecher und Sozialklientel» betrachtet. Führende Politiker der populistischen Volkspartei beschimpften «unsere muslimischen Mitbürger als Pest, Bazillen, Krebsgeschwür, und Leute, die nur darauf warten, zahlreich genug zu sein, um uns zu erschlagen».
In der Frankfurter Rundschau versucht Harry Nutt den entfachten "Weltenbrand" einzudämmen und in historische und geopolitische Relation zu setzen.
Die kommentierende Klasse bewegt unterdessen die Frage, ob ein Kampf der Kulturen bevorsteht und unterschlägt der Einfachheit halber, dass Huntingtons Wort vom "Kampf der Kulturen" bereits ein ideologisches Theorem zu Grunde lag, das einen Zusammenstoß der Religionen weniger prophezeite als herbeisehnte.
Der Zürcher Soziologe Jörg Räwel greift in der Frankfurter Rundschau ebenfalls Huntingtons "These" vom Clash of Civilisations auf. Er sieht die derzeitigen Konflikte als Ausdruck einer Weltgesellschaft.
Modernen Verhältnissen wird keineswegs gerecht, eine Frontstellung zwischen zwei Kulturen oder Gesellschaften, einer archaischen, von Moral dominierten, und einer modernen, progressiven Perspektive, sehen zu wollen. Die funktional differenzierte Weltgesellschaft ist vielmehr durch die Tendenz ausgezeichnet, unterschiedliche gesellschaftliche Binnenperspektiven zu generieren, die arbeitsteilig unterschiedliche funktionale Aufgaben der Gesellschaft übernehmen. (...) Die relative Eigenständigkeit dieser Binnenperspektiven führt zu einer konstitutiven Unruhe der modernen Gesellschaft. Systeme können sich nicht direkt in ihrer je spezifischen Perspektivik beeinflussen, sondern nur eigenperspektivisch auf die generierten Veränderungen reagieren - und rufen damit selbst wiederum Veränderung hervor. Dies führt dazu, dass sich die moderne Gesellschaft paradoxer Weise durch ständigen Wandel stabilisieren muss. (...) In der prestigereichen humoristischen Kommunikation wie auch im modernen System der Kunst ist nun dieses Erfordernis der modernen Gesellschaft selbst funktionalisiert.
In der taz kommentiert Bahman Nirumand den vom Iran ausgerufenen Karikaturenwettbewerb, verweist auf politische Zusammenhänge sowie auf moderate Stimmen iranischer Intellektueller, die den friedlichen Dialog der Kulturen suchen.
Dass die Proteste in islamischen Ländern vom Iran aus gesteuert werden, vermutet der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Gernot Erler (SPD). Im NDR stellte er gestern einen Zusammenhang mit den Entscheidungen der internationalen Gemeinschaft gegen das iranische Atomprogramm her.
Ebenfalls in der taz berichtet Reinhard Wolff über die dänische Zeitung Jyllands-Posten:Ende der Neunziger veränderte sich JP deutlich. Fast ein Viertel der Redaktion musste gehen, die Qualität sank, die Meinungsseite orientierte sich immer mehr nach rechts. Einhergehend mit der Ausrufung eines "Kulturkampfs" durch die 2001 angetretene konservativ-rechtsliberale Regierung entwickelte sich JP zum Sprachrohr einer Verschärfung der Ausländerpolitik. Themen kamen ins Blatt, für die man den Tatsachenbeweis schuldig blieb. Ein Chefredakteur ging, nachdem die Leitung gegen seinen Widerstand passend zu den Parlamentswahlen eine Geschichte über angeblichen systematischen Sozialsystemmissbrauch durch Asylsuchende ins Blatt gehoben hatte. Kurz vor den weltweit bekannt gewordenen Zeichnungen prangte auf der Titelseite: "Islam am kriegerischsten". Eine groß aufgemachte Geschichte einer muslimischen Todesliste mit jüdischen Namen erwies sich als Fantasieprodukt.
Der Spiegel Online berichtet über die weltweiten Reaktionen und Proteste, sowie neue Karikaturen in Frankreich und Deutschland. Inzwischen haben jedoch die Satirezeitschriften das Ruder übernommen. Außerdem wird über aktuelle Umfrageergebnisse berichtet, die belegen, dass die Kluft im Westen größer geworden ist und sich mehr Menschen vom Islam bedroht fühlen.
In der Frankfurter Rundschau vom 11.2.2006 äußert sich Harald Müller zum Zusammenhang von Meinungsfreiheit, Menschenwürde und Religion. In der gleichen Ausgabe der FR stellt Katajun Amirpur fest, dass es kein islamisches Bilder- oder Humorverbot gibt.
Spiegel Online hat am 12.2.2006 den pakistanischen Schriftsteller Ahmed Rashid interviewt.
Der Westen muss Verantwortung übernehmen und Sensibilität gegenüber den Traditionen anderer Völker zeigen. Westliche Tageszeitungen drucken keine Bilder toter Körper, weil es die Gefühle der Menschen verletzen würde. Hier publizieren wir keine Bilder von Mohammed. Diese Art von Mangel an kultureller Sensibilität ist ein Problem im Westen und es wächst weiter. (...)
Die muslimische Gesellschaft wird intoleranter gegenüber westlichen Gesellschaften wegen der Zeit nach dem 11. September. Muslime stehen unter Generalverdacht. Nun macht sich das Gefühl breit, dass Europäer absolut keinen Respekt gegenüber der islamischen Religion, Kultur und Gesellschaft haben. Wenn der Westen weiterhin nicht zwischen al-Qaida und Hunderten Millionen von Muslimen differenziert, wird diese Frustration wachsen. (...)
Vor einigen Wochen haben die Amerikaner pakistanisches Territorium an der Grenze zu Afghanistan bombardiert und dabei 13 pakistanische Zivilisten getötet. Die Amerikaner hatten gehofft, Führungskräfte von al-Qaida zu treffen. Stattdessen starben Frauen und Kinder. Musharraf war nicht fähig, sich zu beschweren oder eine Entschuldigung von Seiten der Amerikaner zu fordern. Die Menschen hier sind erzürnt darüber, dass die Amerikaner kommen und Pakistans Souveränität untergraben können. Und darüber, dass Pakistan finanziell so eng mit den USA verflochten ist, dass es nicht einmal eine Entschuldigung einfordern kann.
In der taz vom 13.2.2006 macht sich Kai Hafez weitreichende Gedanken zum derzeitigen "Monolog der Kulturen".
Im Nahen und Mittleren Osten ist die Wahrnehmung verbreitet, dass der Westen ungeachtet der formalen Entkolonialisierung noch immer weite Teile der Politik dominiert. (...)
Dazu passt, dass ein prominenter Berater des britischen Premiers Blair, Robert Cooper, offen vom Willen zu einem neuen Kolonialismus spricht oder Frankreich per Gesetz die Rehabilitation der eigenen Kolonialvergangenheit anstrebt. (...)
Die Attitüde der Bagatellisierung, die im Westen verbreitet ist, übersieht, dass es ein prinzipieller Unterschied ist, ob jemand seine "eigene" oder eine "fremde" Gruppe karikiert. Hinzu kommt, dass Muslime sich im Westen oft verzerrt wahrgenommen fühlen - eine Sicht, die durch die Themenagenda westlicher Medien, die den Islam nahezu vollständig auf Fundamentalismus, Terrorismus, Zwangsheirat, das Kopftuch und ähnliche Dinge reduziert, bestätigt wird.
Die Polemik radikaler Islamisten nutzt die westliche Islamophobie, um daraus ein politisches "Vernichtungsprojekt" des Westens abzuleiten. Es ist kein Wunder, dass die Demonstrationen gegen die Karikaturen in Europa relativ verhalten ausfallen, während sie in Nahen Osten eskalieren. Das zeigt, dass es weniger eine kulturelle Dissonanz ist, sondern vielmehr die täglich erlebte Einmischung des Westens in die eigenen Belange, die die Wut befördert. In dieser Situation macht es überhaupt keinen Sinn, wenn Deutschland und Europa einen "Dialog der Kulturen" führen, während die USA neokoloniale Politik betreiben. Diese Arbeitsteilung funktioniert nicht mehr.